Handel stärken – die Nation stärken!
 

   Moritzburg, 12. Dezember
   Den Handel zu stärken bedeutet zugleich, die Nation zu stärken. Auf diese einfache Formel könnte man das Erfolgsrezept bringen, mit dem man erfolgreich ein Land aufbaut. Seit Jahren schon führen uns die Engländer vor, wie dieses Rezept umgesetzt wird. Es ist kein Zufall, dass die großen Nationalökonomen Englands, zum Beispiel Adam Smith, alle den freien Handel als Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg benennen und fordern und den Merkantilismus ablehnen.
   Was es bewirkt, wenn dieser freie Handel abgebunden wird, zeigt sich im Nachbarland. Brasilien ist völlig vom Weltmarkt abgeschnitten, sämtlicher Warenverkehr erfolgt über Portugal. Das hat zu großer Rückständigkeit in der wirtschaftlichen Entwicklung wie auch in dem des Manufakturwesens geführt. Nicht, dass es diesem Lande an klugen Köpfen mangeln würde. Aber sie werden vom Mutterland mit Beschlag belegt und gehen so ihrer Heimat verloren.
   Seit einigen Jahren geht Amapura hier andere Wege. Man orientiert sich an England und auch Holland. Holland ist deshalb immer noch ein Orientierungspunkt, weil man sich der Wurzeln des Staates noch sehr bewusst ist. Aber bei der Marktöffnung muss man vorsichtig sein. Auch hier gibt England das Beispiel. Es holt billig Rohmaterial aus den Kolonien und anderen Ländern, um sie in den eigenen Manufakturen zu hochwertigen Produkten zu veredeln, die man dann wieder, für viel Geld, in den anderen Ländern wie auch den Kolonien verkauft werden.
   Um nicht zum ausgebeuteten Rohstofflieferanten zu werden, müssen wir deshalb ein eigenes verarbeitendes Gewerbe aufbauen. Damit hat man begonnen und auch schon einige gute Fortschritte erzielt. Nur auf diesem Wege kann eine Volkswirtschaft aufgebaut werden, die die Unabhängigkeit unseres Landes auf Dauer garantiert. Weichen wir von diesem Wege ab, werden wir zu einem bloßen Rohstofflieferanten für andere Staaten, dann sinken wir auf die Stufe einer Kolonie. Genau diese Entwicklung aber wird durch den von unserer Regierung eingeschlagenen Weg verhindert.

 

Hüttenwesen wird reformiert

    Camaipi, 12. November
   Heutigen Tages langten vier Bergbauingenieure und drei Mineralogen in Camaipi an. Diese kommen direkt von der sächsischen Bergakademie Freiberg, der Hochburg des Hüttenbauwesens in Europa. Ihre Aufgabe besteht in der Reformierung des hiesigen Hütten- und Bergbauwesens sowie der Erschließung neuer Minen. Außerdem soll eine Akademie für Berg- und Hüttenkunde gegründet werden.
   Durch die politischen Spannungen der letzten Zeit sind die Investitionen ausländischer Geldgeber stark zurückgegangen. Die Wirtschaft Amapuras beginnt darunter zunehmend zu leiden. Dieser Entwicklung entgegen zu wirken, soll auch die Beschleunigung des Ausbaus des Berg- und Hüttenwesens in der Provinz New Nassau dienen. In Moritzburg wird derzeit geplant, das ganze Manufakturwesen unter einheitliche Leitung zu stellen, um es von den diversen bürokratischen Hemmnissen zu befreien, die sich in den letzten Jahren aufgebaut haben. Eine Reihe einengender Gesetze und Verordnungen wurden im Rahmen der Reorganisierung bereits aufgehoben. Durch die verstärkte Anwerbung ausländischer Facharbeiter soll zudem die Modernisierung vorangetrieben werden. Die sächsischen Ingenieure sind nicht die ersten Ausländer, die in Camaipi arbeiten. Vor ihnen sind bereits Österreicher eingetroffen, unter deren Leitung ein weiteres Hammerwerk entsteht.

 

Die Zentralbank

   Moritzburg, 31. Oktober
  
Mit der Einweihung der Zentralbank ist eine zentrale Funktion in Amapura geschaffen worden. Über die Zentralbank wird nun jeglicher Zahlungsverkehr, ob im In- oder Ausland, abgewickelt werden.
   Hier sind besonders auch Kauf und Verkauf von Häusern und Landbesitz zu erwähnen. All diese Transaktionen fallen in Zukunft unter die Kontrolle der Zentralbank.
   Da es Ausländern verboten ist, Haus- und Grundbesitz zu erwerben, wird das neue deContras-Gesetz hier greifen. Auf Initiative des Senators Comte deContras wurde das gleichnamige Gesetz verabschiedet, das besagt, dass Ausländer Beteiligungen an amapurischen Firmen und Landbesitz nur erwerben können, wenn ein amapurischer Bürger mindestens 51 % des Kapitals hält. Damit soll verhindert werden, dass kapitalstarke Ausländer die heimische Wirtschaft zu sehr dominieren.
   Alle Geschäfte sind meldepflichtig und unterliegen der Kontrolle der Zentralbank. Jeder Ausländer ist gehalten, ein Konto bei der Bank einzurichten, über das der gesamte Zahlungsverkehr abzuwickeln ist.
   Die Zukunft muss nun zeigen, wie wirksam das System ist und wie sich er deContras-Act im Wirtschaftsleben des Landes auswirkt. Sicher ist jedenfalls, dass die Regierung jede Unterwanderung der heimischen Wirtschaft durch Ausländer, gleich welcher Nationalität, verhindern wird. Die Zentralbank wird sich dabei als wirksamstes Instrument erweisen.

 

 

Große Investitionen

   Camaipi, 15. Oktober
   Findige Bergbauingenieure aus Tirol, die erst jüngst auf Vermittlung des österreichischen Offiziers v.d. Trenck ihre Arbeit in der Provinz New Nassau aufnahmen, konnten durch einige technische Neuinstallationen die Goldgewinnung erheblich steigern. Diese überraschend schnellen Erfolge, die zu einer spürbaren Steigerung der Goldgewinnung geführt haben, veranlassen nun auch private Investoren, vermehrt in der Provinz Geld anzulegen. Besonders englische Kaufleute scheinen gewillt, sich zu beteiligen.
   Inzwischen wurde mit der Errichtung des ersten Hammerwerkes begonnen. Ebenso wurde mit dem Bau der ersten von zwei geplanten Schmelzhütten angefangen. Da viele der benötigten Mechaniken aus Europa importiert werden müssen, da es in Amapura an den Grundlagen fehlt, sie hier herzustellen, geht der Bau zur Zeit nur langsam voran.
   Man erwartet, dass die Regierung bald die Gründung einer privaten Minen- und Bergwerksgesellschaft erlaubt. In diesem Falle, davon ist man überzeugt, werden die Investitionen ausländischer Geldgeber noch sprunghaft ansteigen.

 

Fachleute für Amapura

   Camaipi, 1. Oktober. Um den Ausbau des Manufakturwesens in der Provinz New Naussau zu forcieren hat der Kaiser Emissäre nach Europa ausgesandt. Diese sollen vor allem in den deutschen und österreichischen Landen nach geeigneten Fachleuten und Handwerkern suchen und diese zur Übersiedelung nach Amapura bewegen.
   In New Nassau ist die Errichtung zweier Schmelzhütten mit Hammerwerken zur Verhüttung von Erz sowie einer Goldschmelze geplant. Es stellte sich jedoch im Verlauf der umfangreichen Vorplanung heraus, dass im Lande selbst zu wenig qualifizierte Fachleute zur Verfügung stehen, um dieses aufwendige und ehrgeizige Projekt zum Erfolge zu führen. Deshalb hat man sich zur Anwerbung geeigneter und zuverlässiger Fachleute in Europa entschlossen, wo diese Art des Hüttenwesens inzwischen zu hoher Perfektion entwickelt wurde.

 

Die America-Europa-Handeskompagnie gegründet

   Moritzburg, 26. September. In Moritzburg wurde bekannt gegeben, dass auf Veranlassung Seiner Majestät eine Handelsgesellschaft, die „America-Europa-Handeskompagnie“, gegründet wurde. Sie wird Kontore in Moritzburg, Macapá, Leron, London und Amsterdam unterhalten.
   Die Besitzer der neuen Handelsgesellschaft, unter ihnen die First National Bank of Moritzburg, haben bereits den Bau von fünf Schiffen in Auftrag gegeben. Zwei von ihnen sollen in Holland gebaut werden, drei auf der Marinewerft von Leron. Die Admiralität hat inzwischen bestätigt, dass sie den Bau dieser Schiffe ebenfalls unterstützt.
   Mit dem Aufbau der Handelsflotte sowie der Gründung der Kompagnie will sich Amapura den europäischen Märkten öffnen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, wird eine umfangreiche Zusammenarbeit mit englischen und holländischen Handelsgesellschaften angestrebt. In diesem Bereich wurden bereits Verhandlungen aufgenommen, wie ein Vertreter der First National Bank bestätigte.

 

Neue Goldfunde

   Moritzburg, 25. September. Bei Macapá wurden neue, große Goldfelder entdeckt. Die der Krone unterstehende Minengesellschaft gab bekannt, dass die Felder gesichert worden sind.
   Allerdings hielt sich das politische Moritzburg bedeckt, wenn man nach den Folgen dieser Entdeckung fragt. Die Begehrlichkeiten von Frankreich und Portugal sind nur zu bekannt. Besonders die Aktivitäten der Irregulären sorgt für anhaltende Beunruhigung. Von Para aus dringen wieder vermehrt portugiesische Sklavenjäger über die Grenze, die versuchen, entflohene Sklaven, die sich nach Amapura in die Freiheit gerettet haben, zurück zu holen. Derweil ist es der amapurischen Armee gelungen, die Irregulären an der Nordgrenze aufzureiben. Die neuen Goldfunde könnten aber zu einer ungewollten Belebung dieser Aktivitäten führen.
   Dessen ungeachtet verhandelt die Minengesellschaft bereits mit ausländischen Geldgebern. Besonders London scheint sehr interessiert daran zu sein, sich an der Ausbeutung der Goldfelder zu beteiligen, und aus politischen Gründen ist man in Moritzburg durchaus geneigt, den Engländern hier den Vorzug zu geben.

 

 
Imperial Times - Die Zeitung für das Kaiserliche Amapura -